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Zukunftsstrategie für praxisorientierte Diplomarbeiten

Bildung und Wirtschaft –St. Pölten 2020
Mit der Initiative „Bildung und Wirtschaft –St. Pölten 2020“ werden die Ausbildung und der Bedarf an bestimmten Qualifikationen in den Unternehmen miteinander verknüpft. Ab dem Schuljahr 2014/2015 ist an allen Berufsbildenden höheren Schulen im Zuge der Reife- und Diplomprüfung eine verpflichtende Diplomarbeit vorgesehen. Mit der Zukunftsstrategie wird die Nachfrage an Diplomarbeitsthemen und externen Kooperationspartnern für Diplomarbeiten im Bildungsbereich mit dem vorhandenen Angebot aus der Wirtschaft abgestimmt.

„Die Bildungshauptstadt Niederösterreichs rüstet sich für die Zukunft“, hält Bürgermeister Mag. Matthias Stadler fest. Er verweist auf die derzeit laufenden Investitionen in Millionenhöhe in den Bildungsstandort St. Pölten. Alle höheren Schulen sind aufgrund seiner Initiative im Ausbauprogramm des Bundes enthalten und werden nach der Fertigstellung des Schulzentrums HAK-HTL ebenfalls um- bzw. ausgebaut.

„Um für die Zukunft gerüstet zu sein, genügt es jedoch nicht, alleine die Infrastruktur zu optimieren. Wir müssen die Bildungseinrichtungen mit der Wirtschaft enger vernetzen und auf neue Gegebenheiten in der Ausbildung rechtzeitig reagieren. Im Schuljahr 2014/2015 wird an allen berufsbildenden höheren Schulen nach neuen Lehrplänen unterrichtet, die unter anderem im Zuge der Reife- und Diplomprüfung die bisher optionale Diplomarbeit verpflichtend vorsehen. Mit der Zukunftsstrategie wird die Nachfrage an Diplomarbeitsthemen und externen Kooperationspartnern für Diplomarbeiten mit dem vorhandenen Angebot aus der Wirtschaft abgestimmt. In einem ersten Schritt erheben wir nun den Bedarf und legen den Unternehmen die Vorteile und Möglichkeiten, die sich aus der Beauftragung von Diplomarbeiten ergeben, dar. Ein weiterer Schritt zur engeren Vernetzung von Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft ist eine Internetplattform, die gerade im Aufbau ist und die zahlreichen Berufsmöglichkeiten mit den Ausbildungswegen in St. Pölten darstellen wird. So ziehen SchülerInnen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und die Stadt ihre Vorteile aus dem gemeinsamen Vorgehen“, erläutert Stadler die Initiative und bedankt sich bei den Initiatoren Mag. Johannes Zederbauer und DI Gernot Kohl, bei der Koordinationsstelle ecopoint, sowie bei allen, die sich im Bereich „Bildung und Wirtschaft“ engagieren.

Die Entwicklung der Diplomarbeiten an den HTLs und ihre Bedeutung
Der Direktor der HTL St. Pölten, DI Johann Wiedlack, verweist auf die bisherige Situation: „In den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hatten viele HTLs begonnen, im Rahmen ihrer Ausbildung in den vierten und fünften Jahrgängen komplexere technische Projekte parallel zum Regelunterricht umzusetzen. Diese Experimente waren so erfolgreich, dass ab 2000 solche Projekte in den Kanon der abschließenden Prüfungen integriert und als Diplomarbeiten bezeichnet wurden. Sie wurden von den Schülerinnen und Schülern auf freiwilliger Basis gewählt, meist in einem Zweier- oder Dreierteam außerhalb des Unterrichts während des gesamten letzten Schuljahres durchgeführt und ersetzten für die Diplomanden die abschließende Projektklausur. Jeder hatte dabei eine Lehrkraft als Betreuer. Konsequenterweise wurde die abschließende Prüfung von Reifeprüfung in Reife- und Diplomprüfung umbenannt.
Diese Entwicklung und ähnliche Projekte an den anderen fünfjährigen berufsbildenden Schultypen brachten nicht nur eine enorme Steigerung der Ausbildungsqualität, sondern verschaffte unseren Schulen in einem Anhang zu einer EU-Richtlinie auch die Anerkennung als postsekundäre Ausbildung, also als über das Reifeprüfungsniveau deutlich hinausgehend.
Der St. Pöltner Bildungsexperte begrüßt die Neuerungen: „Mit der neuen Reform der Lehrpläne und der gesamten Oberstufe wird diese Professionalisierung weiter fortgesetzt. Ab dem Schuljahr 2014/15 werden künftig alle Kandidatinnen und Kandidaten den Weg der Diplomarbeit beschreiten und damit in den Genuss dieser Ausbildungsvertiefung kommen. Natürlich finden sich vielfach auch Themen dafür, die einem schulinternen Anlass entspringen, aber der Nutzeffekt wird vervielfacht, wenn der Bedarf aus einem Wirtschaftsbetrieb kommt. Das verschafft die Erfahrung der Berufsrealität und führt den Betrieben vor Augen, was die Diplomanden zu leisten imstande sind.“
Im Fall der technisch-gewerblichen höheren Lehranstalten soll es auch dazu führen, die künftigen HTL-Ingenieure auf einen entsprechend hohen Level im gerade entstehenden Nationalen Qualifikationsrahmen einzustufen, was wiederum den Wirtschaftsbetrieben den Vorteil des hoch bewerteten Fachpersonals bei internationalen Angeboten und Vergleichen bringen wird.

Voith verweist auf eine win-win-win-Situation
DI Peter Wurm, Geschäftsführer der Voith Turbo GmbH in St. Pölten begrüßt die Initiative: „Wir haben bei Voith am Standort St. Pölten auch in der Vergangenheit immer wieder Diplomanden bei der Ausarbeitung von Diplomarbeiten begleitet und dabei sehr wertvolle und positive Erfahrungen gesammelt. Als größtes Industrieunternehmen in der Region fühlen wir uns dazu verpflichtet, den jungen Studierenden im Rahmen ihrer Ausbildung die Möglichkeit zu geben, die während der schulischen Ausbildung gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen sinnvoll in einem professionellen Umfeld in einer Diplomarbeit mit definierter Aufgabenstellung einzubringen. Dies betrifft vorwiegend technische Aufgabenstellungen, aber auch Themen wie Organisation und Prozessoptimierung, Umweltschutz und Abfallwirtschaft , Materiallogistik, Marketing, etc.
Oberster Grundsatz im Sinne der Koppelung Bildung und Wirtschaft ist dabei, dass wir die Themen bevorzugt so wählen, dass auch wir als Unternehmen aus der Bearbeitung und Lösung der Aufgabenstellung einen Nutzen ziehen wollen: gemeinsam mit dem Diplomanden, dem betreuenden Professor und dem aus unserer Belegschaft stammenden Paten als fachlichen und engagierten Betreuer werden die Aufgaben gemeinsam festgelegt und formuliert. Die Ausrichtung und Auswahl erfolgt einerseits an den Bedürfnissen in unserem Unternehmen sowie andererseits an den Interessen, Eignungen und der fachlichen Qualifikation des Diplomanden. Wir begleiten die Diplomanden durch ausgewählte und erfahrene Fachkräfte, die als erste Ansprechpartner für Fragen aller Art zur Verfügung stehen. Dieses Modell hat sich bestens bewährt.
Neben den fachlichen Ansprüchen legen wir auch Wert auf die Bewältigung interdisziplinärer Anforderungen: der Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln, Arbeitsteilung und Integration in einem Team, ein funktionierendes Projektmanagement inklusive Kosten- und Terminplanung und eine professionelle Präsentation der Ergebnisse als Abschluss runden die Arbeit ab, bevor die praktische Anwendung erfolgt. Als Beispiel darf hier auf eine herausfordernde und gemeinsam von Diplomanden der drei HTLs in St. Pölten, Krems und Waidhofen/Ybbs erstellte Diplomarbeit verwiesen werden: in einer höchst professionellen Arbeit wurde eine Lösung im Umfeld der Elektronik von Antrieben erarbeitet, die nun in den Antriebssystemen der Voith Turbo Berücksichtigung findet. Ein Diplomand aus dem damaligen Projektteam ist mittlerweile ein wichtiger Mitarbeiter in unserem Elektronikentwicklungsteam.
Für uns ergibt sich insgesamt aus der Zusammenarbeit Schule und Industrie eine gewünschte und erfreuliche win-win-win Situation: der Schüler sammelt erste Erfahrungen im praktischen Einsatz seiner vorwiegend theoretisch erworbenen Kenntnisse in einem industriellen Umfeld, für die Ausbildung in der HTL bietet sich eine sinnvolle und spartenübergreifende Anwendung von Theorie und Praxis, und für das Unternehmen stehen zusätzliche Ressourcen für eine definierte Aufgabenstellung zur Verfügung, die in der Regel zu einem weiteren Nutzen führen.“

Bildungsmarktplatz 2012
Der Bildungsmarktplatz, der erstmals 2011 durchgeführt wurde, ist auf sehr gute Resonanz gestoßen, sodass sich die Partner der Initiative „Bildung und Wirtschaft – St. Pölten 2020“ einstimmig dazu entschlossen haben, den Bildungsmarktplatz 2012 auf zwei Tage auszuweiten, um eine noch bessere Informationsmöglichkeit zu bieten. Rund 30 regionale Unternehmer und regionale Bildungseinrichtungen werden mit themenbezogenen Marktständen am St. Pöltner Rathausplatz teilnehmen. Schülerinnen und Schüler, Studierende, Eltern und Wirtschaftstreibende können sich von Freitag, 21.09.2012, Nachmittag (14.00 - 17.00 Uhr) bis Samstag, 22.09.2012, Vormittag (10.00 – 13.00 Uhr) darüber informieren, was man in St. Pölten alles lernen kann und welche Arbeitskräfte die Wirtschaft künftig braucht.

Allgemeine Information:
Die „Initiative Bildung und Wirtschaft – St. Pölten 2020“ wurde auf Anregung und Initiative der Fachhochschule und der New Design University mit Unterstützung der Wirtschaftsservicestelle ecopoint der Stadt St. Pölten ins Leben gerufen. Die Kernaussage der Vernetzung zwischen Bildung und Wirtschaft spiegelt sich unter dem Motto: „gemeinsam tun, gemeinsam wachsen“ wider.
Die Initiative wächst selbstständig an neuen Partnern und an neuen kreativen Ideen.
Anmeldung bei der Wirtschaftsservicestelle ecopoint unter der
E-Mail: ecopoint@st-poelten.gv.at  oder unter Tel.: 02742-333-2903

27.4.2012

Initiative Bildung und Wirtschaft
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27.4.2012

Initiative Bildung und Wirtschaft
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FOTOS (Mayer)
„Gemeinsam tun, gemeinsam wachsen“ unter diesem Motto stellten Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, DI Johann Widlack (Direktor HTL St.Pölten), Gernot Kohl (GF der FH St.Pölten), Mag. Johannes Zederbauer ( GF der NDU) und DI Peter Wurm (GF Voith Turbo GmbH) die neue Aktivität der Initiative „Bildung und Wirtschaft – St.Pölten 2020“ direkt im Labor für Automatisierungstechnik in der HTL vor.